{"id":90,"date":"2013-04-16T14:30:56","date_gmt":"2013-04-16T14:30:56","guid":{"rendered":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/?p=90"},"modified":"2016-08-01T20:13:49","modified_gmt":"2016-08-01T20:13:49","slug":"hafis-in-der-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/?p=90","title":{"rendered":"Hafis in der Ukraine &#8211; Ahatanhel Juchymovy\u010d Kryms\u2019kyj und seine ukrainischen \u00dcbersetzungen aus dem Diwan des Hafis"},"content":{"rendered":"<p><strong>Prof. Dr. Roland Pietsch<\/strong><\/p>\n<p>Ahatanhel Juchymovy\u010d Kryms\u2019kyj war einer der bedeutendsten ukraini\u00adschen Gelehrten und Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts, der in seinem Leben und Wirken ungew\u00f6hnlich weitgreifende wis\u00adsenschaftliche Inte\u00adressen miteinander vereint hat. Er war Orientalist und als solcher Arabist, Iranist und Turkologe; zugleich war er Slawist, der besonders die ukrai\u00adnische Sprache erforscht hat. Dar\u00fc\u00adber hinaus war er ein bedeutender uk\u00adrainischer Schriftsteller und Dichter, der seinen Landsleuten mit seinen wissenschaftlichen Werken und durch seine \u00dcbersetzungen arabischer, persischer und t\u00fcrkischer Dichter die Welt des Nahen und Mittleren Os\u00adtens geistig erschlossen hat. <!--more-->Dieser Aufbruch in andere Kulturen war das Sich-Einlassen auf die Dialektik des Eigenen mit dem Fremden und des Fremden mit dem Eigenen. Diese Dialektik bildet das Grundgesetz aller wirklichen Kultur-Begegnungen, die im Wesentlichen darin be\u00adstehen, dass die Aneignung und damit das Verstehen der eigenen Kultur in ihrer Urspr\u00fcnglichkeit erst durch die Begegnung mit fremden Kulturen m\u00f6g\u00adlich wird<a title=\"\" href=\"#_ftn1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a>. Kryms\u2019kyj hat einem seiner wich\u00adtigsten Werke, in welchem er eigene Dichtungen und \u00dcbersetzungen persischer Gedichte ver\u00f6ffentlicht hat, den Titel <em>Palmbl\u00e4tter. Exotische<\/em> <em>Dichtungen (Pal\u2019move hillja. Ekzoty\u010dni poezi\u00ef<\/em>) gegeben. Die aus dem Persischen fremden<a title=\"\" href=\"#_ftn2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a> \u00fcbersetzten Ge\u00addichte sind hier wirklich zu eigenen ukrainischen Dichtungen ge\u00adwor\u00adden.<\/p>\n<p>Im Folgenden wird die \u201eukrainische Aneignung\u201c der Gedichte aus dem Diwan des Hafis, die Kryms\u2019kyj auch als \u201eLieder\u201c bezeichnet hat, in Umrissen aufgezeigt. Zuvor wird ein kurzer \u00dcberblick \u00fcber Leben und Werk des gro\u00dfen ukrainischen Gelehrten und Dichters gegeben.<\/p>\n<p><strong>Leben und Werk<\/strong><\/p>\n<p>Ahatanhel Juchymovy\u010d Kryms\u2019kyj wurde am 15. (3.) Januar 1871 als Sohn des Gymnasiallehrers Juchym Stepanovy\u010d und seiner Mutter Adelaida Matviivna (geb. Sydorovy\u010d) in Volodymyr-Wolyns\u2019kyj in Wolhynien in der Ukraine geboren. Der Name Kryms\u2019kyj weist auf die krimtatarische Wurzeln der Familie hin. Kurze Zeit nach seiner Geburt zog die Familie nach Zvenihorodka, wo Ahatanhel von 1876 bis 1881 die St\u00e4dtische Schule besuchte. Anschlie\u00dfend wurde er von seinem Vater auf das Protogymnasium in Ostroh geschickt und 1884 auf das Zweite Kie\u00adwer Gymnasium. Ein Jahr sp\u00e4ter wurde er in das angesehene Pavlo-Galagan-Kolle\u00adgium in Kiew aufgenommen, wo er 1889 seine Abschluss\u00adpr\u00fcfun\u00adgen ablegen konnte. Hier wurde auch sein Interesse an den ukraini\u00adschen Sprache und Kultur geweckt. 1889 trat er in das Lazarewskij-Institut f\u00fcr orientalische Sprachen in Moskau ein, wo er ne\u00adben Per\u00adsisch und T\u00fcrkisch vor allem Arabisch studierte. Nach Beendi\u00adgung seiner Studien an diesem Institut blieb er am Lehrstuhl f\u00fcr arabi\u00adsche Philologie, um sich auf eine Professur vorzubereiten. Zugleich setzte er seine Studien an der Historisch-Philologischen Fakult\u00e4t der Moskauer Universit\u00e4t fort, wo er Vorlesungen in slawische Philologie und Weltgeschichte belegte. 1896 legte Kryms\u2019kyj seine Magisterpr\u00fc\u00adfungen in Arabistik an der Peterburger Universit\u00e4t und in Slawistik an der Moskauer Universit\u00e4t ab. Im selben Jahr unter\u00adnahm er eine Studien\u00adreise nach Syrien und in den Libanon mit dem Ziel, seine Arabisch-Kenntnisse zu vervollkommnen und arabische Handschriften lesen zu k\u00f6nnen. Nach seiner R\u00fcckkehr im Jahr 1898 sollte er seine Dissertation schreiben, die er in St. Petersburg bei dem f\u00fchrenden Orientalisten Baron Viktor von Rosen (1849-1908), einem Sch\u00fcler des ber\u00fchmten deutschen Orientalisten Hein\u00adrich Leberecht Fleischer (1801-1888) verteidigen wollte, um an\u00adschlie\u00dfend den Lehrstuhl f\u00fcr Arabistik am Lazarewskij-Institut zu \u00fcbernehmen. Der Lehrstuhl war aber inzwischen anderweitig be\u00adsetzt worden. Von 1898 bis 1900 hielt Kryms\u2019kyj als Privatdozent Vorlesungen am Lazarewskij-Institut unter anderem \u00fcber die Ge\u00adschichte der semitischen Sprachen und \u00fcber arabische Literatur und Poesie. Im Jahr 1901 wurde er zum st\u00e4ndigen Sekret\u00e4r der Orienta\u00adlischen Kommis\u00adsion der Moskauer Arch\u00e4ologischen Gesellschaft gew\u00e4hlt. Im selben Jahr wurde er am Lazarewskij-Institut zum au\u00ad\u00dferordentlichen Professor f\u00fcr arabische Literatur und 1902 zum au\u00dferordentlichen Professor f\u00fcr die Geschichte des islamischen Ostens und anschlie\u00dfend zum ordentlichen Professor f\u00fcr beide Dis\u00adziplinen ernannt. Im Verlauf und im Zusammen\u00adhang mit dieser Lehrt\u00e4tigkeit entstanden zahlreiche grundlegende Werke zur Ara\u00adbistik, Iranistik, Turkologie und Slawistik, die als Handreichun\u00adgen f\u00fcr Studenten gedacht waren und zum gro\u00dfen Teil mit entspre\u00adchen\u00adden Erg\u00e4nzungen mehrfach aufgelegt wurden: <em>Der Islam und seine Zu\u00adkunft<\/em> (<em>Musul\u2019manstvo i ego<\/em> <em>budu<\/em><em>\u0161\u010d<\/em><em>nost\u2018<\/em>), Moskau 1899; <em>Arsakiden, Sas\u00adsaniden und die Eroberung des Iran durch die Ara\u00adber (Arzakidy,<\/em> sasanidy i <em>zavovanie Irana arabami<\/em>), Moskau 1900; <em>Geschichte Persi\u00adens, seiner Literatur und<\/em> <em>Derwisch- Theosophie (Istorija Persii, e\u00eb literatury i dervi\u0161eskoj teosofii),<\/em> Moskau 1901 \u2013 19015; <em>Quellen zur Ge\u00adschichte Mohammeds und die Literatur \u00fcber ihn (Isto<\/em><em>\u010dniki dlja istorii<\/em> <em>Mochammeda i literatura o nem<\/em>), Moskau 1902; <em>Vorlesungen \u00fcber den Koran (Lekcii po<\/em> <em>koranu<\/em>), Moskau 1902. Leo Tolstoi hat von diesem Buch gesagt, dass er \u201eden Koran immer nur an Hand von Krymski studiert\u201c habe<a title=\"\" href=\"#_ftn3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a>. Weitere Ver\u00f6ffentlichungen waren seine <em>Ukrainische Grammatik (Ukrainskaja grammatika),<\/em> Kiew 1907; <em>Die Geschichte der T\u00fcrkei und ihrer Literatur von der Bl\u00fcte bis zm Beginn des Zerfalls (Istorija Turcii i e\u00eb literatury ot pascveta do na\u010dala<\/em> <em>upadka<\/em>), Moskau 1910; <em>Arabische Literatur (Arabskaja literatura<\/em>), Moskau 1911 und <em>Die Geschichte der Araber und der arabischen Literatur (Istorija arabov i arabskoj literatury),<\/em> Moskau 1911. Dazu kommen zahlreiche Beitr\u00e4ge f\u00fcr <em>das Enzyklop\u00e4dische<\/em> <em>W\u00f6rterbuch Brockhaus-Efron (Enciklopedi\u010deskij slovar\u2019<\/em><em>Brokgauza i Efron<\/em>). Au\u00dferdem hat Kryms\u2019kyj w\u00e4hrend seiner Moskauer Jahre zahlreiche arabische, persische, t\u00fcrkische, deutsche, franz\u00f6sische, englische und spanische Gedichte ins Russische und Ukrainische \u00fcbersetzt sowie eigene Gedichte, Erz\u00e4hlungen und Romane in ukrainischer Sprache verfasst und ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/3-hafis-in-der-ukraine.pdf\">Download PDF:\u00a0 Hafis in der Ukraine<\/a><\/p>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Vgl. dazu Roland Pietsch, Wanderschaft und Heimkehr. Martin Heidegger \u2013 Wege zur eigenen Kultur, in: Europ\u00e4ische Kulturzeitschrift Sudetenland, M\u00fcnchen 2002, S. 130-143.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Fremd oder fremdl\u00e4ndisch hei\u00dft auf Griechisch exotikos.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> I. J. Kratschkowski, Die russische Arabistik. Umrisse ihrer Entwicklung, Leipzig 1957, S. 164.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof. Dr. Roland Pietsch Ahatanhel Juchymovy\u010d Kryms\u2019kyj war einer der bedeutendsten ukraini\u00adschen Gelehrten und Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts, der in seinem Leben und Wirken ungew\u00f6hnlich weitgreifende wis\u00adsenschaftliche Inte\u00adressen miteinander vereint hat. Er war Orientalist und als solcher Arabist, Iranist und Turkologe; zugleich war er Slawist, der besonders die ukrai\u00adnische Sprache erforscht hat. 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