{"id":81,"date":"2013-04-16T14:17:31","date_gmt":"2013-04-16T14:17:31","guid":{"rendered":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/?p=81"},"modified":"2015-09-18T06:57:26","modified_gmt":"2015-09-18T06:57:26","slug":"liberale-demokratie-und-die-erfahrung-der-religiosen-demokratie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/?p=81","title":{"rendered":"Liberale Demokratie und die Erfahrung der religi\u00f6sen Demokratie"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dr. Mahdi Imanipour<\/strong><\/p>\n<p>In den letzten Jahrzehnten haben westliche Theoretiker versucht, die Begriffe \u201eDemokratie\u201c und \u201eLiberalismus\u201c entweder als gleichbedeutend zu suggerieren oder sie zumindest als unzertrenn\u00adliches und selbstverst\u00e4ndliches Begriffspaar darzustellen; das Be\u00adharren auf dieser engen Verkn\u00fcpfung f\u00fchrt letztendlich zum Tod der Demokratie. Es liegt auf der Hand, dass durch das Suggerieren dieser Sichtweise sonstige Staatsformen als \u201eundemokratisch\u201c eti\u00adkettiert und abgewiesen werden, ohne die Chance zu erhalten, sich richtig vorzustellen.<!--more--><\/p>\n<p>Um die Hintergr\u00fcnde und den Wahrheitsgehalt der o.a Behauptung zu pr\u00fcfen, soll in diesem Beitrag zun\u00e4chst versucht werden, einen Blick auf die Schl\u00fcsselbegriffe zu werfen. In einem weiteren Schritt wird der Frage nachgegangen, ob es sich bei Liberalismus und Demokratie um ein festes oder ein unstabiles Begriffspaar handelt. Abschlie\u00dfend wird die <em>religi\u00f6se Demokratie<\/em> als die wich\u00adtigste Errungenschaft der Islamischen Revolution in Iran und zu\u00adgleich als ein geeignetes Modell und eine neue Erfahrung im Be\u00adreich der Demokratie pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Bei der Schilderung des Liberalismus-Begriffs als der dominieren\u00adden politischen Ideologie der Gegenwart ist die Beleuchtung von dessen Grundlagen unerl\u00e4sslich. Den h\u00f6chsten Wert bei den Libe\u00adralen und \u201eNeoliberalen\u201c bildet \u201edie Freiheit des Individuums\u201c. Die Lexika definieren den Liberalismus als eine Theorie, nach der sich der Staat in die wirtschaftlichen Angelegenheiten der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger nicht einmischen darf. Der Liberalismus entstand in einer Zeit, in der durch den produktionstechnischen Fortschritt, gro\u00dfe Mengen an Kapital entstanden sind. Die Kapitalisten wollen den Markt und ihr Eigentum unter ihrer Kontrolle haben und sehen den Staat in den drei Bereichen der Produktion, der Distribution und des Konsums des Kapitals als ein Hindernis. Daher versuchen sie, die Staaten in ihrem Handlungsradius einzuschr\u00e4nken, wodurch die ersten Weichen f\u00fcr Liberalismus gestellt werden. Auch dieser Liberalismus spricht von Freiheit, aber er meint damit die Freiheit der Kapitalproduktion und der Marktkontrolle. Somit wird der Li\u00adberalismus aus dem wirtschaftlichen Kontext geboren. Er bleibt jedoch nicht in wirtschaftlichen Grenzen, sondern greift auf andere Lebensbereiche \u00fcber. Die Tendenz dieses \u00dcbergreifens auf politi\u00adsche und sogar ethische Bereiche geht mit dem sukzessiven R\u00fcck\u00adzug der Kirche aus dem westlichen Gesellschaftsleben einher. Mit dem Niedergang der Religion und generell der Metaphysik entsteht der Humanismus als Hauptsubstanz des Liberalismus. Bei Libera\u00adlismus geht es in erster Linie und im Wesentlichen um den Men\u00adschen. Der Mensch d\u00fcrfe demnach machen, was er will, und weder Gott noch der Staat d\u00fcrften sich in die Angelegenheiten des Men\u00adschen einmischen. Der Stellenwert der individuellen Freiheit steigt in dieser Sichtweise derma\u00dfen, dass er zum h\u00f6chsten politischen Wert wird, und kein anderes Recht erreicht die Stellung des Rechts auf Freiheit. Zur Verwirklichung des modernen Menschen in der liberalen Gesellschaft reicht einzig und allein dessen Recht auf Freiheit.<\/p>\n<p><strong>Was bedeutet \u201eDemokratie\u201c?<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Wort ist eine Zusammensetzung vom griechischen \u201edemos\u201c (Volk) und \u201ekratia\u201c (Macht, Herrschaft). Der Demokratiebegriff wurde in klassischen Texten als \u201eHerrschaft der Menschen \u00fcber Menschen und f\u00fcr Menschen\u201c definiert. Dieser Begriff entstand als politischer Gedanke in der zweiten H\u00e4lfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. in Athen und geh\u00f6rt zu den wenigen politischen Begriffen, die in den letzten zwei Jahrhunderten eine enorme Beachtung und Ver\u00adbreitung erfahren haben. Er hat in seiner langen Geschichte einen unwegsamen Weg durchlaufen, ist aber dennoch Begegnungsort der Gedanken und Ideale eines gro\u00dfen Teils der Menschen. Mit Gewissheit kann man behaupten, dass im Gebrauch dieses spekta\u00adkul\u00e4ren Begriffs nach wie vor Uneinigkeit herrscht. Der Politologe David Held bezeichnet die Geschichte des Demokratiegedankens als kompliziert und die Geschichte der Demokratie selbst als ver\u00adwirrend. Viele Denker bezeichnen die Demokratie als ein System mit Mankos, doch verglichen mit anderen politischen Systemen weise diese Herrschaftsform weniger Unzul\u00e4nglichkeiten auf. Da\u00advid Held und Carl Cohen haben in ihren Werken \u201eDie Demokra\u00adtiemodelle\u201c und \u201eDie Demokratie\u201c diverse Interpretationen des Demokratiebegriffes gesammelt und pr\u00e4sentiert. Hier st\u00f6\u00dft man auf Interpretationen, deren Theoretiker versucht haben, die Demokratie so zu schildern, dass sie gleichbedeutend mit \u201eLiberalismus\u201c oder zumindest als deren st\u00e4ndige Begleitung verstanden wird.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/2-Liberale-Demokratie-und-die-Erfahrung-der-religi\u00f6sen-Demokratie.pdf\">Download PDF: Liberale Demokratie und die Erfahrung der religi\u00f6sen Demokratie<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Mahdi Imanipour In den letzten Jahrzehnten haben westliche Theoretiker versucht, die Begriffe \u201eDemokratie\u201c und \u201eLiberalismus\u201c entweder als gleichbedeutend zu suggerieren oder sie zumindest als unzertrenn\u00adliches und selbstverst\u00e4ndliches Begriffspaar darzustellen; das Be\u00adharren auf dieser engen Verkn\u00fcpfung f\u00fchrt letztendlich zum Tod der Demokratie. 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