{"id":315,"date":"2013-04-12T10:59:53","date_gmt":"2013-04-12T10:59:53","guid":{"rendered":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/?p=315"},"modified":"2016-07-22T14:45:57","modified_gmt":"2016-07-22T14:45:57","slug":"die-tradition-der-heutigen-persischen-kunstmusik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/?p=315","title":{"rendered":"Die Tradition der heutigen persischen Kunstmusik"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dr. Thomas Ogger<\/strong><\/p>\n<p>Der Beginn der heutigen Kunstmusiktradition Persiens<a title=\"\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> ist mit dem \u00bbRad\u012bf des M\u012brz\u0101 \u2018Abdoll\u0101h\u00ab im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert verkn\u00fcpft, einer Sammlung und Neukodifizierung \u00fcberlieferter Melodien und musikalischer Strukturen, deren Relikte sich vor allem im 18. Jahrhundert \u00fcber viele Jahrzehnte hinweg, in denen B\u00fcrgerkriege mit ihren politischen und sozialen Unsicherheiten herrschten, erhalten hatten und als Gelehrtenmusik von wenigen Lehrermeistern an ihre Sch\u00fcler m\u00fcndlich weitergegeben wurden.<!--more--><\/p>\n<p>Hinzu kamen ab dem 19. Jahrhundert starke Einfl\u00fcsse aus dem Westen.<\/p>\n<p><strong>Prolog<\/strong><\/p>\n<p>Die Urspr\u00fcnge der Musik Persiens reichen nach Ansicht einiger Musikexperten bis in elamitische Zeiten um 3500 v. Chr., also etwa 5000 Jahre, zur\u00fcck. Das ist eine stolze Zahl, doch ist dem noch hinzuzuf\u00fcgen, dass die elamitische Musik selbst das Erbe vorangegangener Kulturen war und dass diese wiederum Erbe vorangegangener, uns Heutigen inzwischen unbekannter Kulturen waren. Dies bedeutet, dass grunds\u00e4tzlich alle Musik dieser Welt auf irgendeine Art und Weise irgendwann einmal begonnen hat: Das Singen ist der Menschheit seit ihrer Existenz in die Wiege gelegt worden und die Instrumentalmusik begann mit den ersten Knochen- und Schilfrohrfl\u00f6ten. Ein Rhythmus wurde mit Steinen oder Holzst\u00f6ckchen geschlagen und irgendwann sp\u00e4ter erfanden die Menschen zus\u00e4tzliches Instrumentarium, auf dem sie Kl\u00e4nge erzeugen konnten. Doch zu welchem Zeitpunkt dieser Ursprung anzusetzen w\u00e4re, kann nur Spekulationen \u00fcberlassen bleiben. \u00bbMusik\u00ab ist nach der griechischen Bedeutung des Begriffs nichts Weiteres als die \u00bbKunst, Klang zu erzeugen\u00ab.<\/p>\n<p>Um im Bereich des heutigen Persien zu bleiben, so war die elamitische Sprache immerhin die erste Hofsprache des persischen Reiches der Ach\u00e4meniden, das jedoch erst im 6. vorchristlichen Jahrhundert entstand und selbst Nachfolger und Erbe der Reiche der Assyrer, Babylonier und Meder war. Es hielt sich nur 200 Jahre, bis es mit der Eroberung durch den Alexander den Makedonier um 330 v. Chr. sein Ende fand und danach die nun griechisch dominierte Weltkultur, bekannt als Hellenismus, mit den beiden Weltsprachen Griechisch und Aram\u00e4isch das Gebiet von S\u00fcditalien bis nach Nordindien und Zentralasien umspannte. Seine Nachfolger, die Diadochen, regierten das Gebiet so lange, bis sie etwa 100 Jahre sp\u00e4ter von den ebenfalls hellenistisch beeinflussten Parthern abgel\u00f6st wurden. Erst zwischen dem 3. und dem fr\u00fchen 7. Jahrhundert n. Chr. beherrschte mit den Sassaniden wieder eine Dynastie aus der Persis das gesamte Gebiet, das sich nun von Mesopotamien bis nach Zentralasien hin erstreckte. Dies war die bislang l\u00e4ngste durchgehende Regierungsperiode eines persischen Herrscherhauses.<\/p>\n<p>Generell ist uns aus der vorislamischen Zeit wenig \u00fcberliefert. Zur Zeit des letzten Herrscherhauses (1925\u20131979), das sich \u00bbPahlaw\u012b\u00ab nannte, herrschte die Meinung vor, viele Dokumente seien bei der Eroberung durch die Araber in Flammen aufgegangen.<a title=\"\" href=\"#_ftn2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a> Hierf\u00fcr gibt es keine historisch ausreichende Begr\u00fcndung, da es sich um ein verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleines Heer von Beduinen handelte, das zum endg\u00fcltigen Zusammenbruch des bereits durch die st\u00e4ndigen Kriege mit Rom bzw. Byzanz, dem Rhom\u00e4ischen Reich (mittelpers. <em>Hr\u014dm<\/em> = <em>R\u016bm<\/em>), und soziale Aufstandsbewegungen geschw\u00e4chten, gesellschaftlich und religi\u00f6s erstarrten Reiches beitrug. Doch ist davon auszugehen, dass sich w\u00e4hrend jener Epoche mehrere regionale \u00dcberlieferungen innerhalb des Reiches, aber auch Einfl\u00fcsse aus benachbarten Regionen b\u00fcndelten und dadurch neue Formen hervorbrachten. Der Legende zufolge habe beispielsweise zur Zeit des Herrschers Bahr\u0101m-i G\u016br (Bahr\u0101m V., 421\u2013438) ein reger kultureller Austausch mit Indien stattgefunden, und er soll vierhundert Instrumentalisten und S\u00e4nger an seinen Hof geladen haben.<\/p>\n<p>Dennoch wurden erst zu islamischer Zeit zahlreiche m\u00fcndliche \u00dcberlieferungen aus der vorislamischen Epoche gesammelt und literarisch (Firdaus\u012b<a title=\"\" href=\"#_ftn3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a>\/gest. 1020, Ni\u1e93\u0101m\u012b<a title=\"\" href=\"#_ftn4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a>\/gest. um 1205) wie auch musikwissenschaftlich (z. B. die Sammlung <em>Kit\u0101b al-a\u0121\u0101n\u012b<\/em> des Ab\u016b&#8217;l-Fara\u01e7 al-I\u1e63fah\u0101n\u012b\/I\u1e63bah\u0101n\u012b, gest. 967)<a title=\"\" href=\"#_ftn5\"><sup><sup>[5]<\/sup><\/sup><\/a> verarbeitet. So sind aus jener Zeit musikalische Begriffe \u00fcberliefert, die sich in teils unterschiedlicher Schreibweise seit dem 8.\/9. nachchristlichen Jahrhundert \u00fcber die gesamte islamische Welt verbreitet haben. Hierzu z\u00e4hlen Termini, wie <em>r\u0101st <\/em>(maghreb. <em>ra\u1e63d<\/em>), <em>seg\u0101h (s\u012bk\u0101h)<\/em>, <em>i\u1e63fah\u0101n <\/em>(maghreb. <em>i\u1e63bah\u0101n<\/em>), <em>nah\u0101wand<\/em> usw.<\/p>\n<p>PDF: <a title=\"Die Tradition der heutigen persischen Kunstmusik\" href=\"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/6-Die-persische-Kunstmusik.pdf\" target=\"_blank\">Die Tradition der heutigen persischen Kunstmusik<\/a><\/p>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> <em>Persien <\/em>war der international offizielle und bekannte Name des Landes. Auf Arabisch hie\u00df das Land traditionell <em>bil\u0101du&#8217;l-furs<\/em> (Land der Perser), auf Griechisch <em>Persia<\/em>, von wo diese Bezeichnung \u00fcber das Lateinische in die restlichen westlichen Sprachen gelangte. Somit wird dieser Begriff mit einem alten Kulturland assoziiert. Demgegen\u00fcber war der einheimische Name f\u00fcr das Land traditionell <em>\u012br\u0101n<\/em>, eine verballhornte Form des altpersischen <em>b\u016bm-\u012b ary\u0101nam<\/em> (Land der Arier).<\/p>\n<p>Aufgrund der B\u00fcndnispolitik des nationalsozialistischen Deutschlands wurde der damalige Regent Re\u017c\u0101 \u1e2a\u0101n 1935 bewogen, den Gebrauch des einheimischen Namens auf internationaler Ebene umzusetzen. Seither wird es auch gerne mit dem arabischen Nachbarland <em>al-\u2018ir\u0101q<\/em> (international <em>Irak<\/em> oder <em>Iraq<\/em>) verwechselt.<\/p>\n<p>Auf die Kunstmusik bezogen, spielt der Begriff <em>persisch<\/em> eine hervorgehobene Rolle, da jene aufs Engste mit der persischen Sprache (pers. <em>f\u0101rs\u012b<\/em>) verkn\u00fcpft ist.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Vermutlich wurde die \u00fcberlieferte Zerst\u00f6rung von Bibliotheken durch Alexander den Makedonier (mittelpers. <em>Alaksandar-\u012b Hr\u014dm\u012b <\/em>= Alexander der Rhom\u00e4er\/Byzantiner) auch auf die Araber \u00fcbertragen, da es in beiden F\u00e4llen um das Ende persischst\u00e4mmiger Herrscherh\u00e4user ging, deren Reiche sich jeweils bereits in Aufl\u00f6sung befanden. Und da die \u00bbPahlaw\u012b\u00ab-Regenten sich als deren historische Nachfahren betrachteten, wurde das Geschichtsbild dementsprechend ver\u00e4ndert.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a><em> \u0160\u0101hn\u0101me<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a><em> \u1e2aosrau-o \u0160\u012br\u012bn<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Diese Liedersammlung basiert, Gelehrten zufolge, auf der Liedersammlung des Y\u016bnus al-K\u0101tib von Medina (gest. 765), der wohl selbst persischer Abstammung war.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Thomas Ogger Der Beginn der heutigen Kunstmusiktradition Persiens[1] ist mit dem \u00bbRad\u012bf des M\u012brz\u0101 \u2018Abdoll\u0101h\u00ab im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert verkn\u00fcpft, einer Sammlung und Neukodifizierung \u00fcberlieferter Melodien und musikalischer Strukturen, deren Relikte sich vor allem im 18. 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