{"id":306,"date":"2013-04-12T10:50:50","date_gmt":"2013-04-12T10:50:50","guid":{"rendered":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/?p=306"},"modified":"2016-07-22T12:56:07","modified_gmt":"2016-07-22T12:56:07","slug":"die-heilige-stadt-qom","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/?p=306","title":{"rendered":"Die heilige Stadt Qom"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ausz\u00fcge aus dem Reisebuch \u201eNach Isfahan\u201c von Pierre Loti<\/strong><\/p>\n<p>Pierre Loti, franz\u00f6sischer Marineoffizier und Mitglied der Acad\u00e9mie fran\u00e7aise, war ein ber\u00fchmter Schriftsteller, der in zahl\u00adreichen Romanen oft seine eigenen Reisen und Wanderungen schilderte. Pierre Loti, mit b\u00fcrgerlichem Namen Julien Viaud, wurde am 14. Januar in Rochefort, D\u00e9partement Charente-Maritime, als Sohn eines Schiffsarztes geboren. Beruflich schlug er die Laufbahn beim Milit\u00e4r ein, besuchte die Marineakademie und diente dann als Offizier. Sein Beruf brachte es mit sich, dass er zahlreiche Reisen in ferne L\u00e4nder und St\u00e4dte unternehmen konnte, so nach Dakar, Tahiti, Istanbul, Marokko, Vietnam, China und Indien. Im Jahr 1900 kam er nach Persien und besuchte hier verschiedene St\u00e4dte. <!--more-->Seine Reiseeindr\u00fccke hat er unter der \u00dcberschrift \u201eVers Ispahan (Nach Isfahan)\u201c zun\u00e4chst im Dezember 1903 und im Feb\u00adruar 1904 in der Zeitschrift \u201eLa Revue des deux mondes\u201c ver\u00f6f\u00adfentlicht. Im Jahr 1904 erfolgte dann die Ver\u00f6ffentlichung als Buch, das 1925 in Berlin in deutscher \u00dcbersetzung mit dem Titel \u201eReise durch Persien\u201c von der Deutschen Buch-Gemeinschaft her\u00adausgegeben wurde. Zwei Jahre zuvor, am 10. Juni 1923 war Pierre Loti in Hendaye, D\u00e9partement Pyr\u00e9n\u00e9es Atlantiques, verstorben. \u201eVers Ispahan\u201c hat in Frankreich zahlreiche Auflagen erlebt. Der folgende Auszug ist aus Lotis \u201eReise durch Persien\u201c, Seite 255 bis 262, entnommen.<\/p>\n<p><strong>Die heilige Stadt Qom<\/strong><\/p>\n<p>Donnerstag, 14. Mai (1900)<\/p>\n<p>Fr\u00fchmorgens brechen wir auf, um heute Abend die Stadt zu errei\u00adchen, wo die heilige Fatima, die Enkelin des Propheten<a title=\"\" href=\"#_ftn1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a>, ruht.<\/p>\n<p>Nach f\u00fcnf- oder sechsst\u00fcndigem Weg, in einer strahlenden W\u00fcste, deren Pfade mit Gerippen bes\u00e4t sind, gegen zw\u00f6lf Uhr mittags, um die Stunde des Blendwerks und der Luftspiegelungen, leuchtet dort hinten, in der unbestimmbaren Ferne, ein Gegenstand auf, etwas, was sich dem Auge, den Sternen gleich, nur durch seine Strahlen zeigt; ein aufgehendes Gestirn, eine goldene Kugel, eine Feuerku\u00adgel, etwas ganz Ungeahntes, etwas nie Gesehenes.<\/p>\n<p>Qom! Sagt der Rosselenker, indem er mit dem Finger darauf zeigt\u2026 Also dies ist die ber\u00fchmte goldene Kuppel, die in der mit\u00adt\u00e4glichen Sonne funkelt, die einem Leuchtfeuer mitten am hellen Tage gleicht, die die Karawanen aus tiefer W\u00fcste heranlockt\u2026 Sie erscheint und verschwindet wieder, ganz nach Laune des h\u00fcgeligen Bodens, und nachdem wir mehr als eine Stunde in dieser Richtung dahin getrabt sind, ohne dass wir uns ihr merklich gen\u00e4hert h\u00e4tten, ist sie pl\u00f6tzlich nicht mehr sichtbar.<\/p>\n<p>Es ist vier Uhr nachmittags, als wir die B\u00e4ume der Oase Qom, die Kornfelder und schlie\u00dflich die Stadt entdecken; ein gewaltiger, grauer Tr\u00fcmmerhaufen, und immer und \u00fcberall Schutt, Spalten und Risse&#8230; Nat\u00fcrlich sieht man, wohin das Auge auch f\u00e4llt, die ver\u00adschieden gestalteten Kuppeln, Zinnen und Minaretts, graubraune T\u00fcrme, rosenrote T\u00fcrme, die von einem blauglasierten Turban be\u00addeckt zu sein scheinen. Und jede aufragende Spitze ziert ein Storch, gravit\u00e4tisch steht er in seinem Nest. Hier gibt es viele verlassene G\u00e4rten, die mit Granatb\u00e4umen angef\u00fcllt sind, deren Boden durch die fallenden Bl\u00fctenbl\u00e4tter blutrot gef\u00e4rbt wird \u2026 Aber wo ist die goldene Kuppel, das Grab der Fatima, das wir von weitem zwi\u00adschen den Luftspiegelungen des Mittags sahen? Wir m\u00fcssen ge\u00adtr\u00e4umt haben, denn nicht die geringste Spur von ihr ist sichtbar.<\/p>\n<div>\n<p>PDF: <a title=\"Die heilige Stadt Qom\" href=\"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/3-qom_.pdf\" target=\"_blank\">Ausz\u00fcge aus dem Reisebuch \u201eNach Isfahan\u201c von Pierre Loti<\/a><\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Es handelt sich nicht um F\u0101tima, die Tochter des Propheten Mu\u1e25ammad, sondern um F\u0101tima bint M\u016bs\u0101\u00a0 (790-816), die Schwester des achten Imams \u00b4Al\u012b ibn M\u016bs\u0101 ar-Rid\u0101 (765-818).<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausz\u00fcge aus dem Reisebuch \u201eNach Isfahan\u201c von Pierre Loti Pierre Loti, franz\u00f6sischer Marineoffizier und Mitglied der Acad\u00e9mie fran\u00e7aise, war ein ber\u00fchmter Schriftsteller, der in zahl\u00adreichen Romanen oft seine eigenen Reisen und Wanderungen schilderte. 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