{"id":303,"date":"2013-04-12T10:48:55","date_gmt":"2013-04-12T10:48:55","guid":{"rendered":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/?p=303"},"modified":"2016-07-13T13:54:04","modified_gmt":"2016-07-13T13:54:04","slug":"abu-%e1%b8%a5amid-mu%e1%b8%a5ammad-al-gazali-seine-lehre-von-den-stufen-des-mystischen-pfades","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/?p=303","title":{"rendered":"Ab\u016b \u1e24\u0101mid Mu\u1e25ammad al-\u0120az\u0101l\u012b \u2013 seine Lehre von den Stufen des mystischen Pfades"},"content":{"rendered":"<p><strong>Prof. Dr. Roland Pietsch<\/strong><\/p>\n<p>Der persische islamische Rechtsgelehrte, Theologe, Philosoph und Mystiker Ab\u016b \u1e24\u0101mid Mu\u1e25ammad al-\u0120az\u0101l\u012b, der auch als Wieder\u00adbeleber des Glaubens (mu\u1e25y\u2018 ad-d\u012bn) bezeichnet wurde und wird, geh\u00f6rt zu den bedeutenden Gestalten der islamischen Welt. In sei\u00adnen zahlreichen Werken hat er auf unterschiedliche Weise den mystischen Pfad im Einklang mit dem heiligen Gesetz (\u0161ar\u012b\u2018a) dar\u00adzustellen vermocht und damit die Verbreitung des Sufitums (ta\u1e63awwuf) in weite Kreise gef\u00f6rdert. <!--more-->Wenn in diesem Zusammen\u00adhang f\u00fcr Sufitum auch das Wort \u201eMystik\u201c gebraucht wird, dann in dem Sinn, dass sich die islamische Mystik wie jede wahre Mystik unmittelbar auf die Erkenntnis der g\u00f6ttlichen Mysterien bezieht.<\/p>\n<p><strong>Leben und Werk<\/strong><\/p>\n<p>Ab\u016b \u1e24\u0101mid bin Mu\u1e25ammad bin Mu\u1e25ammad al-\u0120az\u0101l\u012b (lat. Algazel) wurde 1058\/59 (H. 450\/51) in Tus, nahe dem heutigen Maschhad in der Provinz Chorasan, als Sohn eines Wollspinners geboren. Drei Jahre vor seiner Geburt hatten die Seldschuken in Bagdad die Herrschaft \u00fcbernommen. Nach dem fr\u00fchen Tod des Vaters \u00fcbernahm der Sufi J\u016bsof an-Nass\u0101\u011f die Erziehung von Ab\u016b \u1e24\u0101mid und dessen j\u00fcngeren Bruder A\u1e25mad. Sp\u00e4ter studierte Ab\u016b \u1e24\u0101mid islamisches Recht und Mystik bei Ab\u016b \u00b4Al\u012b al-Faram\u0101\u1e0f\u012b (gest. 1084), einem Sch\u00fcler des ber\u00fchmten Sufimeisters \u00b4Abd-al-Kar\u012bm Ibn-Haw\u0101zin al-Qu\u0161air\u012b (986-1074) und bei \u1e0ciy\u0101\u2018-ad-D\u012bn al-\u011euwain\u012b (1028-1085), dem damals ber\u00fchmtesten Gelehrten sei\u00adner Zeit, der zugleich Leiter der Ni\u1e93\u0101m\u012bya-Schule in Nischapur war. Nach dem Tod seines Lehrers al-\u011euwan\u012b ging al-\u0120az\u0101l\u012b nach al-Mu\u2019askar an den Hof von Ni\u1e93\u0101m-al-Mulk, den ber\u00fchmten Staatsmann und Wesir der Seldschukensultane. Von ihm wurde er aufgrund seiner gr\u00fcndlichen Gelehrsamkeit und \u00fcberzeugenden Beredsamkeit im Jahr 1091 zum Lehrer an der ber\u00fchmten Hoch\u00adschule Ni\u1e93\u0101m\u012bya in Bagdad ernannt, wo sich zahlreiche Sch\u00fcler um ihn sammelten. Nach vier Jahren Lehrt\u00e4tigkeit ver\u00f6ffentlichte al-\u0120az\u0101l\u012b einen objektiv gehaltenen \u00dcberblick \u00fcber die wichtigsten philosophischen Lehren von Ibn S\u012bn\u0101 und anderen Philosophen unter dem Titel \u201eDie Absichten der Philosophen (maq\u0101\u1e63id fal\u0101sifa)\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a>, um sich dann ein Jahr sp\u00e4ter in einem weiteren Werk \u201eDer innere Widerspruch der Philosophen (tah\u0101fut al-fal\u0101sifa)\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a> kritisch mit der Philosophie des Aristoteles , al-F\u0101r\u0101b\u012bs und vor allem Ibn S\u012bn\u0101s auseinanderzusetzen. Im gleichen Jahr geriet al-\u0120az\u0101l\u012b in eine schwere geistige Krise, die sein weiteres Leben tief\u00adgreifend ver\u00e4nderte. In seiner Autobiographie \u201eDer Erretter aus dem Irrtum (al-munqi\u1e0f min a\u1e0d-\u1e0dal\u0101l) schrieb er dar\u00fcber: \u201eDarauf\u00adhin betrachtete ich meine eigenen Lebensverh\u00e4ltnisse. Ich fand mich in Bindungen verstrickt, die mich von allen Seiten erfassten. Meine Arbeiten \u2013 unter ihnen als beste meine Lehrt\u00e4tigkeit und der Unterricht \u2013 erschienen mir im Hinblick auf den Weg zum Jenseits als Besch\u00e4ftigung mit unbedeutenden und nutzlosen Wissenschaf\u00adten. Dann dachte ich \u00fcber die Intention meiner Lehrt\u00e4tigkeit nach und befand sie als unrein vor dem erhabenen Gott. Ihr Beweggrund und ihre Motivation waren das Streben nach Ruhm und gro\u00dfem Ansehen. So war ich sicher, an den Rand eines Abgrundes zu ge\u00adraten\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a>. Aufgrund dieser Einsichten verlie\u00df al-\u0120az\u0101l\u012b die Hoch\u00adschule in Bagdad, um sich ganz der Mystik zuzuwenden. Er reiste nach Damaskus, Jerusalem, Hebron und auch nach Mekka. In Jerusalem und Damaskus begann er mit der Abfassung seines mo\u00adnumentalen Werkes \u201eDie Wiederbelebung der Wissenschaften von der Religion (I\u1e25y\u0101\u2018 \u00b4ul\u016bm ad-d\u012bn)\u201c. Weitere Werke \u00fcber das Sufitum waren unter anderem \u201eDie Nische der Lichter (mi\u0161kal-anw\u0101r)\u201c, \u201eDer Pfad der Gottesdiener (minh\u0101\u011f al-\u00b4\u0101b\u012bd\u012bn il\u0101 \u011fannat rabb al-\u00b4\u0101lam\u012bn)\u201c, \u201eDas Elixier der Gl\u00fcckseligkeit (K\u012bmiy\u0101\u2018 as-sa\u2019\u0101da)\u201c, \u201eO Kind! (ayyuh\u0101 al-walad)\u201c, \u201eDer Brief aus Jerusalem (ar-ris\u0101la al-qudsiyya) und \u201eDie kostbare Perle im Wissen des Jen\u00adseits (ad-durra al-f\u0101\u1e2bira f\u012b ka\u0161f \u00b4ul\u016bm al-\u0101\u1e2bira)\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a>. Im Jahr 1099 kehrte al-\u0120az\u0101l\u012b nach Tus zur\u00fcck und lebte dort in gro\u00dfer Zur\u00fcck\u00adgezogenheit, bis er auf Bitten von Fa\u1e2br-al-Mulk, dem Sohn von Ni\u1e93\u0101m-al-Mulk, im Jahr 1104 erneut seine Lehrt\u00e4tigkeit diesmal in der Ni\u1e93\u0101m\u012bya von Nischapur aufnahm. Diese T\u00e4tigkeit war aber nur von kurzer Dauer und al-\u0120az\u0101l\u012b kehrte bald wieder nach Tus zur\u00fcck, wo er sich vollst\u00e4ndig der Mystik hingab. Er starb am 18. Dezember 1111 (H. 505) in Tus, wo sich auch sein Grab befindet. Al-\u0120az\u0101l\u012b hat durch die lateinischen \u00dcbersetzungen von einigen seiner Werke auch einen starken Einfluss auf das christliche Mit\u00adtelalter ausge\u00fcbt, im Besonderen auf Albertus Magnus und Thomas von Aquin<a title=\"\" href=\"#_ftn5\"><sup><sup>[5]<\/sup><\/sup><\/a>.<\/p>\n<div>PDF: <a title=\"PDF - Ab\u016b \u1e24\u0101mid Mu\u1e25ammad al-\u0120az\u0101l\u012b \u2013 seine Lehre von den Stufen des mystischen Pfades\" href=\"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/2-Ghazali_01.pdf\" target=\"_blank\">Ab\u016b \u1e24\u0101mid Mu\u1e25ammad al-\u0120az\u0101l\u012b \u2013 seine Lehre von den Stufen des mystischen Pfades<\/a><\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Dieses Werk wurde in der ersten H\u00e4lfte des 12. Jahrhunderts unter dem Ttiel \u201eLogica et philosophia Algazelis\u201c zum Teil von Dominicus Gundissalinus\u00a0 ins Lateinische \u00fcbersetzt.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Die mittelalterliche lateinische \u00dcbersetzung dieses Werkes erschien 1328 unter dem Titel \u201eDestructio philosophorum\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Ab\u016b-\u1e24\u0101mid Mu\u1e25ammad al-Ghaz\u0101l\u012b, Der Erretter aus dem Irrtum, Hamburg 2010, 42.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Einen \u00dcberblick \u00fcber al-\u0120az\u0101l\u012bs Werke bietet: Maurice Bouyges, Essai de Chronologie des Oeuvres de al-Ghazali (Algazel), Beirut 1959.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Vgl. Josef Bach, Des Albertus Magnus Verh\u00e4ltniss zu der Erkenntnislehre der Griechen, Lateiner, Araber und Juden, Wien 1881, 118-122; Albert N. Nader, \u00c9l\u00e9ments de la Philosophie Musulmane M\u00e9di\u00e9vale dans la Pens\u00e9e de St. Thomas d\u2019Aquin, in: Thomas von Aquin: Werk und Wirkung im Licht neuerer Forschungen, Berlin 1988, 161-174.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof. Dr. Roland Pietsch Der persische islamische Rechtsgelehrte, Theologe, Philosoph und Mystiker Ab\u016b \u1e24\u0101mid Mu\u1e25ammad al-\u0120az\u0101l\u012b, der auch als Wieder\u00adbeleber des Glaubens (mu\u1e25y\u2018 ad-d\u012bn) bezeichnet wurde und wird, geh\u00f6rt zu den bedeutenden Gestalten der islamischen Welt. 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