{"id":294,"date":"2013-04-15T10:34:42","date_gmt":"2013-04-15T10:34:42","guid":{"rendered":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/?p=294"},"modified":"2016-08-01T19:39:36","modified_gmt":"2016-08-01T19:39:36","slug":"wie-ist-menschliche-gottes%c2%aderfahrung1-trotz-des-stren%c2%adgen-islamischen-monotheismus-moglich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/?p=294","title":{"rendered":"Wie ist menschliche Gottes\u00aderfahrung[1] trotz des stren\u00adgen islamischen Monotheismus m\u00f6glich?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Prof. Dr. Abdoldjavad Falaturi<\/strong><\/p>\n<p>Bereits die Formulierung \u201eWie ist menschliche Gottes\u00aderfahrung trotz des strengen islamischen Monotheismus m\u00f6glich?&#8220; soll \u00fcber die blo\u00dfe Frageform hinaus das Pro\u00adblem als ein besonderes anspre\u00adchen. Es fragt sich nun, warum dies als Problem angesehen werden soll.<!--more--><\/p>\n<p>Eine menschliche Gotteserfahrung im Islam ist des\u00adhalb ein Prob\u00adlem, weil im allgemeinen die islamischen philosophischen und theologischen B\u00fccher den islami\u00adschen Gott in seiner absoluten Einheit und Einzigkeit so \u00fcber alle m\u00f6glichen Seinskategorien hinausdenken und ihn so von den Menschen trennen, da\u00df nur ei\u00adnem philo\u00adsophisch geschulten Menschen bestenfalls eine abstrakte, rationale Gotteserfahrung erm\u00f6glicht wird, eine Art Er\u00adfahrung aber, die jederzeit durch Ersch\u00fctterung der Pr\u00e4\u00admissen zusammen\u00adbrechen kann.<\/p>\n<p>Problem ist die islamische Gotteserfahrung ferner deshalb, weil nicht selten in den polemischen Schriften gegen den Islam den Muslimen vorgeworfen wird<a title=\"\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a>, da\u00df ein solcher abstrakter Monotheis\u00admus \u00fcber den Verstand der Masse der Muslime hinaus\u00adgeht, ihre Verbindung mit Gott unm\u00f6glich macht und diese zu Per\u00adsonen- und Ge\u00adgenstandskult (Steine, B\u00e4ume, Grabm\u00e4ler usw.) f\u00fchrt. Problem ist diese weiterhin deswegen, weil es in der isla\u00admi\u00adschen \u00dcberzeugung keinen existentiellen Grund gibt, der zu einer dementsprechenden Verbindung mit Gott f\u00fchrt, wie dies z. B. im Christentum durch S\u00fcndenfall und Erl\u00f6sung (hier sei auch an den Buddhismus gedacht) der Fall ist.<\/p>\n<p>Problem ist schlie\u00dflich die Gotteserfahrung auch des\u00adhalb, weil die Bezeichnung des Islam als eine Gesetzesre\u00adligion den Menschen als dem Buchstaben des Gesetzes Unterworfenen und Gott bestenfalls als einen gerechten und in diesem Sinne herzlosen, allgewaltigen, bezwin\u00adgenden, zornigen, rachs\u00fcchtigen, von einer unberechen\u00adbaren Willk\u00fcr geleiteten Herrscher &#8211; als furchterregen\u00addes Ungeheuer &#8211; hinstellt, der auf die Ankunft des J\u00fcngsten Tages wartet, wo er endlich den Menschen zeigt, was er kann: H\u00f6lle f\u00fcr dich, du Ab\u00adtr\u00fcnniger, und Paradies f\u00fcr dich, du Guter, du Braver.<\/p>\n<p>Soweit einige Gr\u00fcnde, warum die islamische Gottes\u00aderfahrung ein Problem darstellt. Zu allen diesen Schwierigkeiten und Problemen geben in der Tat die islamischen Gelehrten und ihre Werke vielfach Anla\u00df; gemeint sind Philosophen, Theologen, Juristen und z.T. Ethiker &#8211; um die islamischen Mystiker von vornherein auszuschlie\u00ad\u00dfen, auf die wir sp\u00e4ter nur hinweisend zu\u00adr\u00fcckkommen werden.<\/p>\n<p>Wenden wir uns nun dem Stifter des Islam, Muham\u00admad, zu, der zum Gl\u00fcck kein Theologe, kein Wissen\u00adschaftler und kein Syste\u00admatiker gewesen ist und nicht seine Lehre im Koran gem\u00e4\u00df ver\u00adschiedener Disziplinen auseinandergerissen und sie um den eigent\u00adlichen Kern, um die Gotteserfahrung, gebracht hat.<\/p>\n<p>Eine Besch\u00e4ftigung mit dem Koran zeigt, da\u00df die Frage: \u201eWie ist menschliche Gotteserfahrung trotz des strengen islamischen Mo\u00adnotheismus m\u00f6glich?&#8220; nicht nur das Problem, sondern auch die Antwort darauf invol\u00adviert: Eine menschliche Gotteserfahrung ist gerade des\u00adhalb gew\u00e4hrleistet, weil es sich nach Muhammad um ei\u00adnen strengen Monotheismus, d.h. um die Ausschaltung jeder Art von Mittler (Mensch, Natur, Prinzip usw.) zwi\u00adschen Gott und den Menschen handelt.<\/p>\n<p>Wie ist dies zu verstehen?<\/p>\n<p>Eine Erl\u00e4uterung daf\u00fcr ist m\u00f6glich, wenn wir uns der Analyse der drei Begriffe zuwenden, die der Ausdruck \u201emenschliche Gotteser\u00adfahrung&#8220; enth\u00e4lt: n\u00e4mlich Gott, Mensch und Gotteserfahrung.<\/p>\n<p>Was ist Gott nach dem Koran?<\/p>\n<p>Seine Antwort darauf ist: \u201eSag: Er ist Gott (Allah), ein Einziger, Gott der unver\u00e4nderliche. Er hat weder Kinder gezeugt, noch ist er selber gezeugt worden. Keiner ist ihm gleichrangig.&#8220;<a title=\"\" href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> Noch sch\u00e4r\u00adfer und entschiedener formu\u00adliert, hei\u00dft die auf die Ablehnung der Vermenschlichung Gottes gerichtete Antwort: \u201eEs gibt nichts, was ihm gleich ist.&#8220;<a title=\"\" href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> Diese Art negativer Beschreibung bekundet zwar die Einheit und Einzigkeit Gottes, also den strengen Monotheis\u00admus, zeigt aber in dieser Form nicht, wie ein solches \u00fcber alles Wirkliche und Denkbare hinausge\u00adhende Wesen zu erfahren ist.<\/p>\n<p>Ebensowenig k\u00f6nnen uns die anthropomorphistisch klingenden Aussagen \u00fcber den islamischen Gott einer L\u00f6sung unseres Prob\u00adlems n\u00e4herbringen. Da\u00df er \u201eder H\u00f6rende&#8220; (as-sam) und \u201eder Se\u00adhende&#8220; (al-basir)<a title=\"\" href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> ist, da\u00df er \u201eAntlitz&#8220; (wagh)<a title=\"\" href=\"#_ftn6\">[6]<\/a>, \u201eHand&#8220; (yad)<a title=\"\" href=\"#_ftn7\">[7]<\/a> und \u201eThron&#8220; (&#8218;ars)<a title=\"\" href=\"#_ftn8\">[8]<\/a> besitzt, besagt l\u00e4ngst nicht, da\u00df man ihn erf\u00e4hrt und wie man ihn erf\u00e4hrt. (Ganz davon zu schweigen, da\u00df alle diese \u00c4u\u00ad\u00dferungen, die zur Illustration des g\u00f6ttlichen Verh\u00e4ltnisses zu sei\u00adnem Gesch\u00f6pf dienen sollen, in der Regel von den sunnitischen und schiitischen Theologen zur Verdeutlichung der Vollkommen\u00adheit und absoluten Einheit Gottes umfunktioniert werden.)<\/p>\n<div>PDF: <a href=\"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/4-Wie-ist-menschliche-Gotteserfahrung-m%C3%B6glich.pdf\">Wie ist menschliche Gotteserfahrung\u00a0 trotz des strengen islamischen Monotheismus m\u00f6glich?<\/a><\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Offensichtlich haben die islamischen Theologen und Philosophen kein Bed\u00fcrfnis versp\u00fcrt, \u00fcber ihre Spekulationen \u00fcber Gott, die Not\u00adwendigkeit seiner Existenz und \u00fcber seine Eigenschaften hinaus, die Frage nach der M\u00f6glichkeit und Wirklichkeit einer menschlichen Gotteserfahrungzu stellen. Es ist sogar schwer, einen passenden arabischen oder persischen Ausdruck f\u00fcr Gotteserfahrung zu finden, ohne Gefahr zu laufen, den islamischen Gott in seiner absoluten Transzendenz zu schm\u00e4lern, ihn zu vermenschlichen bzw. zu verweltlichen. Es ist deshalb geboten, bei dieser unserer Fragestellung von der rein religi\u00f6sen Emp\u00adfindung eines frommen Muslims auszugehen und sich quellenm\u00e4\u00dfig streng an den Koran zuihalten, ohne die Meinungsverschiedenheit der islamischen Richtungen und Schulen mitspielen zu lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Ich denke hier speziell an die Diskussionen, die in neuerer Zeit die christlichen Missionare in den islamischen L\u00e4ndern gef\u00fchrt haben.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Koran 112,1-4.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Ebd. 42,11.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Ebd. 17,1.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> Ebd. 2,100.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> Ebd. 5,64.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a> Ebd. 9,129.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof. Dr. Abdoldjavad Falaturi Bereits die Formulierung \u201eWie ist menschliche Gottes\u00aderfahrung trotz des strengen islamischen Monotheismus m\u00f6glich?&#8220; soll \u00fcber die blo\u00dfe Frageform hinaus das Pro\u00adblem als ein besonderes anspre\u00adchen. 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