{"id":248,"date":"2013-04-18T09:07:37","date_gmt":"2013-04-18T09:07:37","guid":{"rendered":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/?p=248"},"modified":"2015-09-18T06:47:47","modified_gmt":"2015-09-18T06:47:47","slug":"ottokar-maria-freiherr-von-schlechta-wssehrd-und-seine-deutung-persischer-dichtkunst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/?p=248","title":{"rendered":"Ottokar Maria Freiherr von Schlechta-Wssehrd und seine Deutung persischer Dichtkunst"},"content":{"rendered":"<p><strong>Prof. Dr. Roland Pietsch<\/strong><\/p>\n<p>Auf Vorschlag von Wenzel Anton Graf von Kaunitz (1711-1794) hat Kaiserin Maria Theresia im Jahr 1754 in Wien die Kaiserlich-k\u00f6nigliche Akademie f\u00fcr Orientalische Sprachen gegr\u00fcndet, um junge Menschen als \u00dcbersetzer f\u00fcr den diplomatischen Dienst vor allem mit dem Osmani\u00adschen Reich ausbilden zu lassen. Die Akademie hat im Lauf der Jahre bedeutende Diplomaten und Orientalisten hervorgebracht, die sich in ihrer Freizeit unter anderem auch mit persischer Dichtkunst besch\u00e4ftigt haben. Zu ihnen geh\u00f6rten Jakob von Wallenburg (1763-1806), Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall (1774-1856), der als einer der Begr\u00fcnder der modernen Orientalistik in Europa gilt und von dessen Hafiz-\u00dcbersetzung Johann Wolfgang von Goethe wesentliche Anregungen f\u00fcr seinen \u201eWest-\u00f6stlichen Diwan\u201c erhalten hat. Nach Hammer von Purgstall waren es vor allem Vinzenz Rosenzweig von Schwanau (1791-1865) und Ottokar Maria Freiherr von Schlechta-Wssehrd (1825-1894), die \u00dcber\u00adsetzungen persischer Dichtungen vorgelegt haben.<!--more--><\/p>\n<p>Im Folgenden wird ein kurzer \u00dcberblick \u00fcber Leben und Werk von Schlechta-Wssehrd gegeben und anschlie\u00dfend seine \u00dcbersetzungen und ethischen Deutungen persischer Dichtkunst vorgestellt.<\/p>\n<p><strong>1. Leben und Werk von Ottokar Freiherr von Schlechta-Wssehrd<a title=\"\" href=\"#_ftn1\"><sup><strong><sup>[1]<\/sup><\/strong><\/sup><\/a><\/strong><\/p>\n<p>Ottokar Maria Freiherr von Schlechta-Wssehrd stammte aus dem alt\u00adb\u00f6hmischen Adelsgeschlecht der Schlechta-Wssehrd (tschechisch: \u0160lechta ze V\u0161ehrd), das bis ins 15. Jahrhundert nachgewiesen ist<a title=\"\" href=\"#_ftn2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a>. Er wurde am 20. Juli 1825 in Wien als Sohn von Franz Xaver Freiherr von Schlechta-Wssehrd geboren, der mit Franz Schubert eng befreundet war. Nach dem Besuch des Akademischen Gymnasiums in Wien von 1834 bis 1841 trat er als Stiftling in die Kaiserlich-k\u00f6nigliche Akademie f\u00fcr Orientalische Sprachen ein, wo er bis 1847 studierte und unter anderem die t\u00fcrkische, persische und arabische Sprache erlernte. Von 1848 bis 1860 arbeitete er bei der kaiserlichen Internuntiatur in Konstantinopel (Istanbul) als Dolmetscher und wurde im Jahr 1860 zum wirklichen Le\u00adgationsrat und provisorischen Direktor der Akademie f\u00fcr Orientalische Sprachen in Wien ernannt, wo er zahlreiche notwendige Reformen er\u00adfolgreich durchf\u00fchren konnte. Im Jahr 1869 wurde Freiherr von Schlechta-Wssehrd der Titel eines Hofrats verliehen und zwei Jahre sp\u00e4\u00adter wurde er zum Agenten und Generalkonsul in Bukarest und zugleich zum Delegierten bei der europ\u00e4ischen Donau-Kommission ernannt. Im Jahr 1873 wurde er beauftragt, die private Ottomanische Eisenbahnen-Unternehmung in der europ\u00e4ischen T\u00fcrkei zu vertreten. Er hielt sich zu diesem Zweck drei Jahre in Konstantinopel Istanbul)\u00a0 auf und wurde da\u00adnach im Ministerium des \u00c4u\u00dferen in Wien f\u00fcr verschiedene Aufgaben verwendet. In den Jahren 1878 und 1879 wurde mit \u00dcbersetzungsarbei\u00adten f\u00fcr die Bosnische Kommission sowie f\u00fcr die Durchsicht administrati\u00adver Texte in franz\u00f6sischer Sprache beauftragt. Im Jahr 1886 wurde er mit dem Titel eines au\u00dferordentlichen Gesandten\u00a0 und bevollm\u00e4chtigten Mi\u00adnisters in den Ruhestand versetzt und 1880 zum Hofdolmetsch f\u00fcr orien\u00adtalische Sprachen ernannt. Neben seinen zahlreichen \u00dcbersetzungen per\u00adsischer Dichtungen verfasste Schlechta-Wssehrd auch wissenschaftliche Arbeiten \u00fcber osmanische und persische Geschichte. 1847 ver\u00f6ffentlichte er ein Werk \u00fcber das V\u00f6lkerrecht in t\u00fcrkischer Sprache \u201eKit\u0101b-i \u1e25uq\u016bq-i milel\u201c, das 1878 zum zweiten Mal aufgelegt wurde. Ottokar von Schlechta-Wssehrd war Mitglied zahlreicher internationaler wissen\u00adschaftlicher Gesellschaften und Akademien sowie Tr\u00e4ger in- und ausl\u00e4n\u00addischer Orden. Er starb am 18. Dezember 1894 in Wien.<\/p>\n<p><strong>2. Schlechta-Wssehrds \u00dcbersetzungen persischer Dichtkunst<\/strong><\/p>\n<p>Ottokar von Schlechta-Wssehrd hatte die Kunst des \u00dcbersetzens an der Kaiserlich-k\u00f6niglichen Akademie f\u00fcr Orientalische Sprachen in Wien gr\u00fcndlich erlernt. Das hohe Niveau dieser Akademie und seine au\u00dferor\u00addentlich hohe Sprachbegabung, seine Liebe zur Kultur und den Men\u00adschen des Orients, denen er w\u00e4hrend seiner Aufenthalte in Konstantino\u00adpel (Istanbul) begegnen konnte, waren f\u00fcr ihn mehr als ein Beweggrund, Werke der gro\u00dfen persischen Dichtkunst, die zur Weltliteratur geh\u00f6ren, zu \u00fcbersetzen. Diese \u00dcbersetzungen \u201eatmen etwas vom M\u00e4rchenton und etwas von der hoheitsvollen Poesie Dantes. Sie sind dem Geist der Dichtung, die er vermittelt, aufrichtig hingegeben und erwerben das Morgenland als Quelle nicht freischweifender Phantasie, sondern hoher Weisheit.<a title=\"\" href=\"#_ftn3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a>\u201c Von 1846 bis 1892 hat er folgende \u00dcbersetzungen ver\u00f6ffentli\u00adchen k\u00f6nnen:<\/p>\n<p><strong>Der Fr\u00fchlingsgarten von Mewlana Abdurahman Dschami. Aus dem Persischen,\u00a0 Wien 1846<\/strong><\/p>\n<p>Mawlan\u0101 Nur ad-D\u012bn Abd ar-Ra\u1e25m\u0101n \u011e\u0101m\u012b war ein persischer Mystiker und Dichter. Er wurde am 18. August 1414 in der Gegend von \u011eam in der Provinz Chorasan geboren. Kurze Zeit danach zog seine Familie nach Herat (heute in Afghanistan). Hier erhielt \u011e\u0101m\u012b seinen ersten Unterricht von seinem Vater. Hier lernte er auch das Sufitum (islamische Mystik) kennen und trat sp\u00e4ter in einen Sufi-Orden ein. Sp\u00e4ter studierte er an der Universit\u00e4t in Herat die grundlegenden islamischen Wissenschaften und\u00a0 Mathematik und andere Wissenschaften. Nach Abschluss seiner Studien zog er nach Samarkand, das damals eines der bedeutendsten geistigen Zentren der islamischen Welt war. Nach neun Jahren kehrte er nach He\u00adrat zur\u00fcck, wo er an einer Hochschule lehrte. Er verfasste zahlreiche Werke, darunter den \u201eFr\u00fchlingsgarten (Bah\u0101rist\u0101n)\u201c als eine Nachah\u00admung von Sa\u2019d\u012bs Gulist\u0101n, ferner \u201eHaft aurang (Sieben Throne)\u201c, \u201eTu\u1e25fatu\u2019l-a\u1e25r\u0101r (Gabe der Freien)\u201c und \u201eSub\u1e25atu\u2019labr\u0101r (Der Rosen\u00adkranz der Frommen)\u201c. Im Alter von 60 Jahren pilgert er nach Mekka und kehrt \u00fcber Syrien, \u00c4gypten und den Irak in seine Heimat zur\u00fcck. Er starb am 19. November 1492 in Herat, wo sich sein Grab in einem Mausoleum befindet.<\/p>\n<p>Download PDF: <a href=\"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/3-Ottokar-Maria-Freiherr-von-Schlechta-Wssehrd.pdf\">Ottokar Maria Freiherr von Schlechta-Wssehrd und seine Deutung persischer Dichtkunst<\/a><\/p>\n<div><br clear=\"all\" \/><\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> \u00dcber Leben und Werk von Ottokar Freiherr von Schlechta-Wssehrd siehe: Biographisches Lexikon des Kaisertums \u00d6sterreich von Constant von Wurzbach, 29. Teil, Wien 1875, S. 65 f.; \u00d6sterreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, Bd. 10, Wien 1991, S. 175.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Vgl. Schlechta von Wssehrd, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte der B\u00f6hmischen L\u00e4nder, M\u00fcnchen 2000, Bd. 3, S. 658.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Kurt Adel, Geist und Wirklichkeit. Vom Werden der \u00f6sterreichischen Dichtung, Wien 1967, S.183.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof. Dr. Roland Pietsch Auf Vorschlag von Wenzel Anton Graf von Kaunitz (1711-1794) hat Kaiserin Maria Theresia im Jahr 1754 in Wien die Kaiserlich-k\u00f6nigliche Akademie f\u00fcr Orientalische Sprachen gegr\u00fcndet, um junge Menschen als \u00dcbersetzer f\u00fcr den diplomatischen Dienst vor allem mit dem Osmani\u00adschen Reich ausbilden zu lassen. Die Akademie hat im Lauf der Jahre bedeutende [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[270],"tags":[4670,59,56,64,67,66,75,60,54,71,55,52,76,62,69,68,49,51,58,74,53,50,65,4674,61,63,72,4676],"class_list":["post-248","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein-de","tag-abu-l-qasim-firdausi","tag-amir-mamud-b-amir-yamin-al-din-ugrai-mustawfi-faryumadi","tag-der-fruchtgarten-von-saadi","tag-firdausi","tag-galal-ad-din-rumi","tag-gami","tag-hermann-ethe","tag-ibn-jemins-bruchstucke","tag-islamische-mystik","tag-jussuf-und-suleicha","tag-mawlana-nur-ad-din-abd-ar-raman-gami","tag-mewlana-abdurahman-dschami","tag-moral-philosophie","tag-neue-bruchstucke-orientalischer-poesie","tag-nizami","tag-omar-khayyam","tag-ottokar-maria-freiherr-von-schlechta-wssehrd","tag-persische-dichtkunst","tag-persischen-dichter","tag-persischen-nationalepos-sahnama-konigsbuch","tag-provinz-chorasan","tag-roland-pietsch","tag-sadi","tag-scheich-abu-abd-allah-musarrif-al-din-b-muli-sadi","tag-wien-1852","tag-wien-1881","tag-yusuf-u-zulaia","tag-abdullah-hatifi"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/248","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=248"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/248\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":472,"href":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/248\/revisions\/472"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=248"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=248"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=248"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}