{"id":240,"date":"2013-04-18T09:00:23","date_gmt":"2013-04-18T09:00:23","guid":{"rendered":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/?p=240"},"modified":"2015-09-18T06:56:48","modified_gmt":"2015-09-18T06:56:48","slug":"aspekte-mystischer-dichtung-hafis-und-attar-im-ver%c2%adgleich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/?p=240","title":{"rendered":"Aspekte mystischer Dichtung: Hafis und Attar im Ver\u00adgleich"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dr. Katja F\u00f6llmer<\/strong><\/p>\n<p>Der Diwan von Schams al-Din Mohammad Hafis aus Schiras (ca. 1319-1389) ist ein Monument persischer Literatur und aufgrund seiner Zeit und Raum \u00fcbergreifenden Bedeutung Teil der Weltlite\u00adratur. Schon zu seinen Lebzeiten war Hafis in Indien und weiten Teilen des Mittleren Ostens bekannt.<a title=\"\" href=\"#_ftn1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a> Er genoss gro\u00dfe Popularit\u00e4t unter den Musaffariden am Hofe der Herrscher von Schiras, Isfa\u00adhan und Yasd und verf\u00fcgte \u00fcber ausgezeichnete Kenntnisse des Koran, was ihn zur Lehre in der Madrasa bef\u00e4higte.<a title=\"\" href=\"#_ftn2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a><!--more--><\/p>\n<p>Noch heute ist Hafis\u2019 Diwan als einzigartiges literarisches Zeugnis eng mit der iranischen Alltagskultur verbunden. Jeder Iraner und jede Irane\u00adrin kennt und gebraucht den Diwan oder Ausz\u00fcge daraus entweder, um sich an der Sch\u00f6nheit seiner Sprache und Dichtung zu erfreuen oder um aus ihm Antworten auf bestimmte Lebensfragen zu bekommen.<\/p>\n<p>Bereits wenige Jahrzehnte nach dem Tode von Hafis, Ende des 14. Jahr\u00adhunderts, war das Werk derart verbreitet, dass es stilpr\u00e4gend f\u00fcr die n\u00e4chsten Dichtergenerationen werden konnte, und diese sich in ihrer Kunstfertigkeit zu \u00fcbertreffen suchten.<a title=\"\" href=\"#_ftn3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die Zahl der Hafis zugeschriebenen Ghaselen-Gedichte vergr\u00f6\u00dferte sich im Laufe der Jahrhunderte und ihre Reihenfolge variierte in den ver\u00adschiedenen Sammlungen. Dies stellte die Hafis-Forschung vor die gro\u00dfe Herausforderung, den Diwan in seinen richtigen lite\u00adrarischen und histori\u00adschen Kontext einzuordnen und die Varianzen seiner Dichtung insbeson\u00addere in Bezug auf die islamische Mystik zu erkl\u00e4ren, zumal nur wenig an historischen Fakten \u00fcber das Le\u00adben des Dichters \u00fcberliefert ist. So gibt es h\u00e4ufig Erkl\u00e4rungsversu\u00adche, die den Diwan eng verbunden mit den ver\u00adschiedenen Bege\u00adbenheiten im Umfeld von Hafis\u2019 Leben sehen. Unstrittig ist jedoch, dass \u00e4hnlich wie bei Farid al-Din Attar aus Nischabur (ca. 1136-1221), die Popularit\u00e4t Hafis\u2019 Dichtung zur Entstehung der Gedichtesammlung des Diwan sowie zu zahlreichen Nachahmun\u00adgen und nachtr\u00e4glichen Erg\u00e4nzungen des Diwan beigetragen hat, die schlie\u00dflich zu Unterschieden in der Textgestalt und Reihenfolge einzelner Ghaselen f\u00fchrten.<a title=\"\" href=\"#_ftn4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a> Unbestritten sind die spezifischen Cha\u00adrakteristika der Komposi\u00adtion, die ber\u00fchmte deutsche Dichter wie Goethe und R\u00fcckert inspirierte.<\/p>\n<p>Seit dem 18. Jahrhundert stehen die Ghaselen von Hafis f\u00fcr die Begeg\u00adnung der \u00f6stlichen und westlichen Kulturen.<a title=\"\" href=\"#_ftn5\"><sup><sup>[5]<\/sup><\/sup><\/a> Verglichen mit anderen Werken der klassischen persischen Literatur wird die Dichtung von Hafis als innovativ betrachtet. Roger Lescot (1914-1975) z\u00e4hlt dazu unter an\u00adderem, die Bevorzugung der Ghaselen-Form anstelle von Qasiden,<a title=\"\" href=\"#_ftn6\"><sup><sup>[6]<\/sup><\/sup><\/a> die Wahl neuer Themen \u00fcber mysti\u00adsche und weltliche Liebe sowie die Ab\u00adkehr von einer geschwolle\u00adnen, gek\u00fcnstelten Ausdrucksweise.<a title=\"\" href=\"#_ftn7\"><sup><sup>[7]<\/sup><\/sup><\/a> So wie Hafis die persische Dichtung vorangetrieben hatte, so hat er auch die Kunst der Chro\u00adnogramme, Anagramme und die Rhetorik weiterentwickelt.<a title=\"\" href=\"#_ftn8\"><sup><sup>[8]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der mystische Islam im Westen relativ gut erforscht ist, finden wir, gemessen an der Bedeutung und ungebrochenen Popu\u00adlarit\u00e4t des Di\u00adwan in Iran und den angrenzenden persisch-sprachigen Regionen, eine relativ \u00fcberschaubare Anzahl wissenschaftlicher Abhandlungen westli\u00adcher Experten zu Hafis. Die \u00dcbersetzungen des Diwan im Westen und insbesondere im deutschen und angel\u00ads\u00e4chsischen Raum sind hingegen zahlreicher. Die erste deutsche \u00dcbersetzung von Hafis\u2019 Ghaselen von Joseph Hammer-Purgstall (1774-1856), von der Goethe zum Verfassen des west-\u00f6stlichen Diwans inspiriert wurde, feiert im Jahr 2012-13 be\u00adreits ihr 200-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um.<\/p>\n<p>Der Frage nach der Faszination und mystischen Dimensionen des Diwan im Vergleich zur mystischen Allegorie des Farid al-Din Attar aus Nischabur, <em>Die Konferenz der V\u00f6gel<\/em> (<em>Manteq al-tair<\/em>), soll im Folgenden nachgegangen werden, da diese Werke derart popul\u00e4r waren, dass sie viele Dichtergenerationen nach ihnen be\u00adeinflussten.<\/p>\n<p>Download PDF: <a href=\"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/4-Aspekte-mystischer-Dichtung-Hafis-und-Attar-im-Vergleich_2.pdf\">Aspekte mystischer Dichtung: Hafis und Attar im Ver\u00adgleich<\/a><\/p>\n<div><br clear=\"all\" \/><\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Arberry 1958, S. 332, 356-7; Alston 1996, S. 40.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Rypka 1968, S. 264-5.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Hafis beeinflusste zun\u00e4chst den irakischen Stil im 14. Jh. und sp\u00e4ter den Safawiden- oder indischen Stil persischer Dichtung, Yarshater 1986, S. 982.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Rehder 1974, S. 147-48; Roemer 1951, S. 100-101; Schimmel 1988, S. 11f.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Arberry 1958, S. 333.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> Die Qaside ist urspr\u00fcnglich die etablierte Form f\u00fcr panegyrische Dichtung, die Ghasele wurde vorzugsweise f\u00fcr Liebes- und mystische Dichtung verwendet. Hafis verbindet nun alle drei Funktionen in seinen Ghaselen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> Lescot 1943-44, S. 3.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a> Windfuhr 1990, S. 403, 413.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Katja F\u00f6llmer Der Diwan von Schams al-Din Mohammad Hafis aus Schiras (ca. 1319-1389) ist ein Monument persischer Literatur und aufgrund seiner Zeit und Raum \u00fcbergreifenden Bedeutung Teil der Weltlite\u00adratur. Schon zu seinen Lebzeiten war Hafis in Indien und weiten Teilen des Mittleren Ostens bekannt.[1] Er genoss gro\u00dfe Popularit\u00e4t unter den Musaffariden am Hofe der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":244,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[270],"tags":[129,133,101,123,103,99,138,134,114,112,116,100,113,131,120,109,110,54,121,107,128,106,108,127,124,132,135,102,130,125,137,115,139,119,118,117,104,105,111,126,136,122],"class_list":["post-240","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein-de","tag-annemarie-schimmel","tag-asrar-nameh","tag-attar","tag-die-konferenz-der-vogel","tag-diwan","tag-dr-katja-follmer","tag-dschalal-al-din-rumi","tag-elahi-nameh","tag-farid-al-din-attar","tag-ghaselen-gedichte","tag-goethe","tag-hafis","tag-hafis-forschung","tag-helmut-ritter","tag-iran","tag-iraner","tag-iranerin","tag-islamische-mystik","tag-joseph-hammer-purgstall","tag-koran","tag-liebesmystik","tag-literatur","tag-madrasa","tag-mahmud-schabestari","tag-manteq-al-tair","tag-muchtar-nameh","tag-musibat-nameh","tag-mystische-dichtung","tag-mystische-lyrik","tag-mystizismus","tag-nezami-gandschawi","tag-nischabur","tag-qasem-ghanni","tag-qaside","tag-roger-lescot","tag-ruckert","tag-schams-al-din-mohammad-hafis","tag-schiras","tag-sprache-und-dichtung","tag-sufismus","tag-tadhkirat-al-awliya","tag-west-ostlicher-diwan"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/240","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=240"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/240\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":320,"href":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/240\/revisions\/320"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/244"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=240"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=240"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=240"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}