{"id":1294,"date":"2014-02-28T12:37:07","date_gmt":"2014-02-28T12:37:07","guid":{"rendered":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/?p=1294"},"modified":"2014-02-28T12:37:11","modified_gmt":"2014-02-28T12:37:11","slug":"intertextualitat-als-eine-kultur-der-verstandigung-das-wort-bei-hafis-und-goethe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/?p=1294","title":{"rendered":"Intertextualit\u00e4t als eine Kultur der Verst\u00e4ndigung &#8211; Das \u203aWort\u2039 bei Hafis und Goethe"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dr. <\/strong><strong>Ali Radjaie<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>Einleitung<\/strong><\/p>\n<p>Das Wort \u203aKultur\u2039 im Deutschen und \u203aFarhang\u2039 (\u0641\u0631\u0647\u0646\u06af) im Persischen sind Begriffe, die mit vielen Bedeutungen verbunden sind. Werte von Kulturen werden in der jeweiligen Sprache gefasst und Worte werden zu poetischen Schriften gekleidet und stellen die Werte dessen dar, was Menschen als Tr\u00e4ger einer Kultur f\u00fcr sinntragend, charismatisch oder sakral halten. In vielen literarisch-philosophischen Weltanschauungen und Gedankenwelten wird Sprache als \u00bbdas Haus des Seins\u00ab<a title=\"\" href=\"#_ftn1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a> betrachtet. Manche Kundige der Poetik sind der Auffassung, dass \u00bbje h\u00f6her die Kultur, desto reicher die Sprache\u00ab<a title=\"\" href=\"#_ftn2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a> sei. <!--more-->Sprachbew\u00e4ltigung gilt auch als g\u00f6ttliche Gabe. Pflege des Geistes und der Sprache gilt bei allen V\u00f6lkern als die Kultur \u00fcberhaupt. Nach Immanuel Kant (1724-1804) ist \u00bbder Mensch als kulturschaffendes Wesen\u00ab zu betrachten, der nach \u00bbMaximen\u00ab greift, um seine moralischen F\u00e4higkeiten hervorzuheben.<a title=\"\" href=\"#_ftn3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Alle Literaturen der Welt besch\u00e4ftigen sich damit, das Wort pr\u00e4gnant und effektiv zu handhaben. Dichter haben stets versucht, durch Formulierungen, poetisch-kunstvolle Wortspiele, phantasievolle Stoffe und einpr\u00e4gsame Motive Interesse und Wohlgefallen beim Publikum zu erwecken. In einer auserw\u00e4hlten Formulierung werden wichtige Themen des menschlichen Lebens dargeboten. Neben der Stilistik gelten geistige Bildung und Vollendung des menschlichen Charakters als ein Hauptsignum des Literatur- und Kulturbetriebs.<\/p>\n<p>Bei n\u00e4herem Hinsehen ist Literatur eine \u00fcbergreifende geistige Kultureinheit, die bei allen V\u00f6lkern G\u00fcltigkeit besitzt. Das geistige Wirken jedes Volkes wird anderen V\u00f6lkern durch Kulturtransfer und Dialog vermittelt. Mit Hilfe von Kommunikation wird versucht, Gegenpositionen zu verstehen, sie zu respektieren und ihnen die M\u00f6glichkeit zu geben, ihre Standpunkte frei zu \u00e4u\u00dfern. Auf den eigenen Standpunkt oder gar Vorurteile zu verzichten, Gegenargumente wahrzunehmen, sie ehrlich zu interpretieren und Abwehrreaktionen zu mildern ist eine tolerante Haltung, die zu gegenseitigem \u203aVertrauen\u2039 f\u00fchren kann. Jeder Dialog ist eine innere \u203aHinwendung\u2039 zum Partner, ein Mittel, um einanderen n\u00e4her zu kommen oder um Vorurteile abzubauen und zwischenmenschliche Verst\u00e4ndigung zum gew\u00fcnschten Ziel zu bringen.<\/p>\n<p>In diesem Sinne wird zwischen den Literaturen verschiedener Kulturen und Generationen seit Jahrtausenden ein interkultureller und intertextueller Dialog gef\u00fchrt. Moderne Begriffe zur Bezeichnung dieses Ph\u00e4nomens sind die Begriffe \u203aIntertextualit\u00e4t\u2039 und \u203aHypertext\u2039. Ein Dichter nimmt in sein Werk ein Zitat oder auch nur einen blo\u00dfen Verweis auf das Werk eines anderen Dichters auf, dadurch schwingen Konnotationen zu dem gesamten Werk dieses Dichters mit. In den modernen Medien kommen h\u00e4ufiger Hypertexte zum Einsatz, um einer Botschaft Tiefe zu verleihen.<\/p>\n<p>Zur Analyse fr\u00fcher intertextueller und interkultureller Bez\u00fcge bietet sich in besonderem Ma\u00dfe die Betrachtung zweier klassischer Dichter an, des persischen Dichter Hafis (1320-1389) und des deutschen Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832).<\/p>\n<p>Hafis betrachtet die Welt und ihre Geschehnisse von einer \u00fcbergeordneten Perspektive aus und l\u00e4sst seinen Genius \u00fcber alles gleiten. Fernere Horizonte scheinen ihm nahe zu sein und eine Raum- und Zeit\u00fcberlegenheit des Wortes und der Gedanken machen ihn und seine Dichtung unsterblich. Goethes Hinwendung zum Orient, insbesondere zum Werk des Hafis, ist Zeugnis einer tiefgr\u00fcndigen interkulturellen und interreligi\u00f6sen Kommunikation. Insbesondere Goethes 1819 erschienener \u203aWest-\u00f6stlicher Divan\u2039 hatte eine \u00fcberaus anregende Wirkung auf die gesamte zuk\u00fcnftige abendl\u00e4ndische Orientforschung.<a title=\"\" href=\"#_ftn4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<div><a href=\"http:\/\/spektrum.irankultur.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/4-Das-\u203aWort\u2039-bei-Hafis-und-Goethe-2.pdf\" target=\"_blank\">PDF: Intertextualit\u00e4t als eine Kultur der Verst\u00e4ndigung &#8211; Das \u203aWort\u2039 bei Hafis und Goethe<\/a><br clear=\"all\" \/><\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Heidegger, Martin: <em>Holzwege,<\/em> in: <a title=\"Gesamtausgabe (Heidegger)\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gesamtausgabe_(Heidegger)\">Gesamtausgabe<\/a> Bd., 5, hrsg. v. F.-W. von Herrmann, Stuttgart 2003, S. 310.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Tschechow, Anton Pawlowitsch: <em>Weltbekannter, russischer Dichter,<\/em> Briefe, 12. Oktober 1892.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Vgl. Kant, Immanuel: <em><a title=\"Kritik der Urteilskraft\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kritik_der_Urteilskraft\">Kritik der Urteilskraft<\/a>. <\/em>Von dem letzten Zwecke der Natur als eines teleologischen Systems, Akademie-Ausgabe Bd. 10, Berlin 1923, S. 387. Vgl. auch Kant, Immanuel: <em>Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltb\u00fcrgerlicher Absicht<\/em> (1784), Akademie-Ausgabe Bd. 8, Berlin 1923, S. 26.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Mommsen, Katharina: <em>Goethes Bild vom Orient,<\/em> in: Der Orient in der Forschung, hrsg. v. W. Hoenerbach, Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1967, S. 453.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Ali Radjaie Einleitung Das Wort \u203aKultur\u2039 im Deutschen und \u203aFarhang\u2039 (\u0641\u0631\u0647\u0646\u06af) im Persischen sind Begriffe, die mit vielen Bedeutungen verbunden sind. 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