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Spektrum Iran 3 – 2000

Spektrum Iran 3 – 2000. Alle Artikel können als PDF heruntergeladen werden.

Hafiz und Goethe, ihre Sprache und Musik[1]

Dr. Thomas Ogger

Die Sprache des Ḥāfiẓ

Lassen Sie mich mit einer Ode des Ḥāfiz-Verehrers Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) beginnen.

Sie stammt aus dem »Buch Hafis« im West-östlichen Divan und weist beiläufig darauf hin, wie der deutsche Dichter selbst Ḥāfiz verstanden und dementsprechend interpretiert hat:

Über das Diesseits und das Jenseits – Übersetzung und Kommentar zu der „Abhandlung über die Voll­kommenheit“ von Allamah Sayyid Muhammad Husain Tabatabai, Teil 3[1]

Dr. Mahdi Esfahani

17. Die Nachlässigkeit gegenüber dem, was jetzt existiert

 „Sie kennen nur das Äußerliche vom diesseitigen Leben, während sie dem Jenseits gegenüber aber gänzlich achtlos sind.“[2] Dieser Vers macht uns auf die feine Unterscheidung aufmerksam, dass hinter der bloßen Äußerlichkeit des Diesseits gleichzeitig etwas anderes existiert und dass dies das Jenseits ist, weil ihm die eigentliche Nachlässigkeit zukommt. So kann man dies beispielsweise auch aus den Worten entnehmen, die du zu deinem Freund sagst: „Du hast wirklich nur das Äußerliche meiner Worte verstanden und das andere hast du völlig außer Acht gelassen.“ Deine Aussage darüber weist darauf hin, dass das, was vernachlässigt wurde und als das Andere bezeichnet wurde, eben genau der innere Sinn bzw. die tiefere Bedeutung der Worte war.[3]

Die persischen Gedichte von Ibn Sīnā – übersetzt von Hermann Ethé

Eingeleitet und neu herausgegeben von Roland Pietsch

Hermann Ethé hat im Rahmen seiner umfangreichen Beschäftigung mit der persischen Dichtkunst eine Reihe persischer Gedichte von Ibn Sīnā, im lateinischen Westen Avicenna (370/980-428/1037) genannt, gefunden und unter der Überschrift „Avicenna als persischer Lyriker“ in persischer Sprache mit deutschen Übersetzungen in den „Nachrichten von der K. Gesellschaft der Wissenschaften und der Georg-Augusts-Universität in Göttingen aus dem Jahre 1875“ herausgegeben. Bevor im Folgenden diese Gedichte in leicht bearbeiteter Form vorgelegt werden, wird zunächst ein kurzer Überblick über Leben und Werk von Hermann Ethé gegeben.

Die Sprache von „i‛tibārāt“ – Übersetzung und Kommentar zu der „Abhandlung über die Voll­kommenheit“ von Allamah Sayyid Muhammad Husain Tabatabai, Teil 2

Dr. Mahdi Esfahani

10. Die Sprache von „i‛tibārāt

Und ferner gilt, dass alles, wovon die Religion spricht, was sie verdeut­licht und erklärt, über die Wissensgebiete, die den Schöpfungsbeginn betreffen und die Wahrheiten und Erkenntnisse, welche die Welt nach dem Tod beschreiben, all dies erfolgt in Sprache von „i‛tibār“; aufrich­tige Nachdenken bezeugt diese Gedanke.

Aspekte des imamitischen Schiismus und seiner Auswir­kungen in Geschichte und Gegenwart Irans*, Teil 3 Fortsetzung von Heft 2 – 2013

Dr. Thomas Ogger

Inhaltsübersicht

Mystik und Esoterik im Schiismus

Die Grundzüge der Tugendlehre von Abū ´Alī Miskawaih

Prof. Dr. Roland Pietsch

Abū ´Alī Miskawaih ist in der islamischen Welt einer der bedeutendsten Vertreter der philosophischen Ethik. Der wichtigste Grundbegriff dieser Ethik ist der Begriff des Guten. Nach Aristoteles ist das Gute das, wo­nach alles strebt[1], demzufolge streben auch alle Menschen nach dem Gu­ten. Für die Menschen ist der Inbegriff alles Guten das Glück oder die Glückseligkeit (sa’ādā), und die Tugend ist dabei jene Grundhaltung der Seele, wodurch das Glück der Menschen verwirklicht werden kann. Be­vor im Folgenden die Tugendlehre Miskawaihs in ihren Grundzügen dar­gestellt wird, werden im Folgenden zunächst einige kurze Angaben über sein Leben und Werk gemacht.

Werner Sundermann und die persische Literatur

Prof. Dr. Manfred Lorenz

Am Freitag, dem 12. Oktober 2012 verstarb Werner Sundermann, ehe­maliger Mitarbeiter und Arbeitsstellenleiter der Turfanabteilung der Ber­lin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Honorarpro­fessor der Freien Universität zu Berlin. Mit ihm verlor die Iranistik einen der besten Kenner des Mitteliranischen und vor allem des Manchäismus. Seine Leistung wurde auf einer Festveranstaltung der Akademie am 13.2.2013 in einem Vortrag seines Freundes und Kollegen Nicholas Sims-Williams gewürdigt.  Eine Bibliographie seiner Werke findet man in Manichaica Iranica. Ausgewählte Schriften von Werner Sundermann, ed. Ch. Reck, D. Weber, C .Leurin & A. Panaino, Rom 2001, pp. 945-966.

Zoroastrische Religion im Iran – Geschichte und Gegen­wart

Mohammad Shokri-Foumeshi

Zoroastrismus bezeichnet die Religion des iranischen Propheten Zara­thustra, dessen noch umstrittene Geburtsdatum sowie Geburtsort zwi­schen 600 bis 1500 v. Chr., irgendwo im Nordosten von Groß-Iran (Khwarezmien, Baktrien oder woanders) vermutet wird.

Religious Democracy and Principle of National Sovereignty

Dr. Mohsen Esma’ili [1]

In the midst of all questions surrounding religious democracy, the establishing of the actual position of national sovereignty is of great significance. The importance of this issue arises from the fact that national sovereignty is the basis of democracy. On the other hand, religious democracy considers itself sincere to national sovereignty (in the absence of `Velayate Faqhih’ (Vice – regency of high religious authorities of Shi’a jurisprudents). If both facts are placed together, it is natural to question whether the thoughts of religious democracy can be loyal to actual national sovereignty or not?

Aspekte des imamitischen Schiismus und seiner Auswir­kungen in Geschichte und Gegenwart Irans*, Teil 2

Dr. Thomas Ogger

Teil 2 der Magisterarbeit von Thomas Ogger aus dem Jahre 1980.

Dr. Thomas Ogger hat uns diese von ihm geringfügig überarbeitete Arbeit freundlicherweise zur Verfügung gestellt, da er – wie auch wir – der Meinung ist, dass das Thema der Arbeit für das Verständnis der Vorgeschichte der Islamischen Republik Iran von Belang sei. Die Redaktion

Über ḥaqīqī und i‛tibārī in der islamischen Philosophie – Übersetzung und Kommentar zu der „Abhandlung über die Voll­kommenheit“ von Allamah Sayyid Muhammad Husain Tabatabai, Teil 1

Dr. Mahdi Esfahani

Einführung

Das Buch „Abhandlung über die Vollkommenheit“ (arab. Risālato l-Wilāyah) von Allamah Tabatabai gehört zu den wichtigsten Schriften der Primärliteratur, die im 20. Jahrhundert im Bereich der islamischen Mystik bzw. Philosophie verfasst wurden.

Globalisierung der Kultur

Dr. Mahdi Imanipour

Für den Begriff der Globalisierung gibt es vielfältige Definitionen:

„Das Zusammenrücken der Welt und die Intensivierung des globalen Bewusstseins“, „Stärkung der globalen Integration“, Prozess der globalen homogenisierung“, „Aufhebung von Grenzen und Schwächung des geo­grafischen Einflusses auf die in der Welt dominierenden gesellschaftli­chen Verhältnisse und die Einschränkung der Rolle nationaler Regierun­gen“, „Verdichtung von Zeit und Raum“ etc.

Schiitische Überlieferungen über das Leben Jesu im würt­tembergischen Pietismus – Christian Gottlob Barth und die Auszüge aus Muhammad Baqir al-Majlisis „Hayat al-Qulub“ (Das Leben der Her­zen)

Prof. Dr. Roland Pietsch

Im Jahr 1835 hat David Friedrich Strauß in Tübingen Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet veröffentlicht und damit einen Sturm der Empörung ausgelöst, weil er in diesem Buch die Auffassung vertreten hatte, dass die Evangelien keine geschichtlichen Tatsachen enthalten, sondern Mythen sind, d. h. Sagen, die in einem langen mündlichen Überlieferungsprozess entstanden sind.

Annäherung an einen Rechtleitenden

Wolf D. Ahmed Aries

Die Dominanz des Politischen in den deutschen wie europäischen Dis­kussionen zum und über den Islam, hat zu einer Verschattung der Legi­timation Imam Khomeinis geführt, die zutiefst in der Geistesgeschichte des schiitischen Denkens fundiert ist. Das Wort „Imam“ ist keine Funk­tionsbezeichnung gleich der des „Präsidenten“ eines Staatswesens, viel­mehr ist es soziologisch betrachtet, eine Zuschreibung durch Gläubige, die lange Jahre den Angehörigen der Familie des Propheten Mohammed und damit seinem Cousin Ali ibn Abi Talib vorbehalten gewesen ist.

Aspekte des imamitischen Schiismus und seiner Auswir­kungen in Geschichte und Gegenwart Irans* , Teil 1

In dieser und den beiden folgenden Ausgaben des SPEKTRUM IRAN veröffentlichen wir die Magisterarbeit von Thomas Ogger aus dem Jahre 1980 in drei Teilabschnitten.

Er hat uns diese von ihm geringfügig überarbeitete Arbeit freundlicherweise zur Verfügung gestellt, da er – wie auch wir – der Meinung ist, dass das Thema der Arbeit für das Verständnis der Vorgeschichte der Islamischen Republik Iran von Belang sei.

Zur Iranistik in Berlin

Prof. Dr. Manfred Lorenz

Über die Orientalistik in Berlin vor der Eröffnung der Universität im Oktober des Jahres 1810 müsste gesondert geschrieben werden.[1]  Es ist z.B. bekannt, dass Goethe im Briefwechsel mit dem Berliner Orientalisten Heinrich Friedrich von Diez (1751-1817) stand und, wie er selbst in „Noten und Abhandlun­gen“ zum  West-Östlichen Diwan[2] bekennt, diesem für sein Studium viel verdankt. Diez, kgl. preussischer Geheimer Legationsrat und Prälat, war 1785-91 preus­sischer Geschäftsträger in Konstantinopel gewesen, hatte orientali­sche Sprachen gelernt, Handschriften erworben und das „Buch des Kabus“ (1811) ins Deutsche übersetzt. Auch in späteren Jahren waren es oft Angehörige der Akademie, der Bibliotheken und Mu­seen, die Grosses für die Orientalistik und darunter der Iranistik geleistet haben. Viele Orientalisten jener Zeit sind Schüler des be­rühmten Franzosen Silvestre de Sacy (1758-1838), der an der 1795 in Paris eröffneten „École spéciale des langues orientales vivantes“ lehrte.

Religious Democracy: The Democracy of the Righteous

Dr. Mohammad-Bagher Khorramshad[1]

What is religious democracy? This may be the first question to come to one’s mind upon hearing or seeing the phrase “Religious Democracy”. The article at hand tries to find a suitable answer to the fundamental and basic question, to which various answers can be presented. The article at hand provides one of the answers.

Ottokar Maria Freiherr von Schlechta-Wssehrd und seine Deutung persischer Dichtkunst

Prof. Dr. Roland Pietsch

Auf Vorschlag von Wenzel Anton Graf von Kaunitz (1711-1794) hat Kaiserin Maria Theresia im Jahr 1754 in Wien die Kaiserlich-königliche Akademie für Orientalische Sprachen gegründet, um junge Menschen als Übersetzer für den diplomatischen Dienst vor allem mit dem Osmani­schen Reich ausbilden zu lassen. Die Akademie hat im Lauf der Jahre bedeutende Diplomaten und Orientalisten hervorgebracht, die sich in ihrer Freizeit unter anderem auch mit persischer Dichtkunst beschäftigt haben. Zu ihnen gehörten Jakob von Wallenburg (1763-1806), Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall (1774-1856), der als einer der Begründer der modernen Orientalistik in Europa gilt und von dessen Hafiz-Übersetzung Johann Wolfgang von Goethe wesentliche Anregungen für seinen „West-östlichen Diwan“ erhalten hat. Nach Hammer von Purgstall waren es vor allem Vinzenz Rosenzweig von Schwanau (1791-1865) und Ottokar Maria Freiherr von Schlechta-Wssehrd (1825-1894), die Über­setzungen persischer Dichtungen vorgelegt haben.

Aspekte mystischer Dichtung: Hafis und Attar im Ver­gleich

Dr. Katja Föllmer

Der Diwan von Schams al-Din Mohammad Hafis aus Schiras (ca. 1319-1389) ist ein Monument persischer Literatur und aufgrund seiner Zeit und Raum übergreifenden Bedeutung Teil der Weltlite­ratur. Schon zu seinen Lebzeiten war Hafis in Indien und weiten Teilen des Mittleren Ostens bekannt.[1] Er genoss große Popularität unter den Musaffariden am Hofe der Herrscher von Schiras, Isfa­han und Yasd und verfügte über ausgezeichnete Kenntnisse des Koran, was ihn zur Lehre in der Madrasa befähigte.[2]